ADS oder ADHS? Was der Unterschied wirklich bedeutet
Dahinter steckt ein weit verbreitetes Missverständnis über zwei Begriffe, die im Alltag oft durcheinandergehen.

Von Julian Thewes
„Ich habe doch kein ADHS, ich bin ja nicht hyperaktiv.“ Dieser Satz hält viele Menschen jahrelang von einer Abklärung ab.
Einen umfassenden Überblick über das Störungsbild bietet Was ist ADHS?; hier geht es um die Begriffsverwirrung zwischen ADS und ADHS im Detail.
Zwei Begriffe, eine Störung
ADS steht umgangssprachlich für ein Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität. Fachlich handelt es sich dabei um keine eigene Erkrankung. Die aktuellen Diagnosesysteme kennen eine einzige Störung, die ADHS, die sich in unterschiedlichen Erscheinungsbildern zeigen kann: vorwiegend unaufmerksam, vorwiegend hyperaktiv-impulsiv oder kombiniert.
Was viele als „ADS“ bezeichnen, ist also das vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsbild von ADHS. Der Begriff hält sich hartnäckig, weil er etwas Wahres beschreibt: Es gibt Betroffene, bei denen von Zappeligkeit nichts zu sehen ist und die trotzdem massiv unter ihrer Aufmerksamkeitsstörung leiden.
Wie sich das unaufmerksame Erscheinungsbild zeigt
Menschen mit dieser Form gelten als verträumt, langsam oder abwesend. Sie verlieren den Faden in Gesprächen, brauchen für Routineaufgaben ein Vielfaches der üblichen Zeit, übersehen Details, verlegen Dinge und wirken oft geistig woanders. In der Schule fielen sie selten durch Stören auf, eher durch stilles Abdriften, unerledigte Hausübungen und Leistungen unter den eigenen Möglichkeiten.
Genau diese Unauffälligkeit macht das Erscheinungsbild tückisch. Wer niemanden stört, wird nicht abgeklärt. Viele Betroffene, überdurchschnittlich oft Frauen, erhalten deshalb erst spät oder nie eine Diagnose. Warum das so ist, lesen Sie in ADHS bei Frauen.
Dazu kommt: Auch beim unaufmerksamen Erscheinungsbild ist häufig Unruhe vorhanden, nur eben innen. Die Gedanken springen, der Kopf kommt nicht zur Ruhe, während der Körper still sitzt. Von außen sieht das nach Konzentration aus. Von innen fühlt es sich an wie zwanzig offene Tabs.
Warum die Unterscheidung für Ihre Abklärung kaum eine Rolle spielt
Für die Diagnostik ändert das Erscheinungsbild wenig am Vorgehen. Geprüft wird in allen Fällen dasselbe: ob die Symptome seit der Kindheit bestehen, ob sie mehrere Lebensbereiche betreffen, ob sie das Leben spürbar beeinträchtigen und ob eine andere Erklärung besser passt. Ein vollständiger Befund benennt anschließend auch das Erscheinungsbild, was für die Wahl der Behandlung hilfreich sein kann.
Wichtig ist die Unterscheidung vor allem an einer anderen Stelle: bei Ihrer eigenen Einschätzung, ob eine Abklärung überhaupt infrage kommt. Wenn Sie sich bisher gesagt haben, für ADHS seien Sie zu ruhig, dann war womöglich genau dieses Missverständnis das Hindernis.
Der nächste Schritt
Ob ADHS hinter Ihren Schwierigkeiten steckt, und in welcher Form, klärt eine strukturierte Diagnostik. Bei Attentia führen klinische Psycholog:innen diese Abklärung für Erwachsene durch, hybrid in Wien und online. Einen Überblick über die Symptome im Erwachsenenalter finden Sie hier, den Ablauf der Diagnostik hier, Termine unter www.attentia.at.